Karriereentwicklung ist einer der wichtigsten Faktoren für die Mitarbeiterbindung. 52 % der Millennials geben an, dass Aufstiegschancen das wichtigste Kriterium bei der Arbeitsplatzwahl sind, gefolgt von wettbewerbsfähigen Gehältern und finanziellen Anreizen (44 %) sowie guten Aus- und Weiterbildungsprogrammen (35 %) (PwC). Im Hinblick auf Karriereentwicklung in Unternehmen herrscht jedoch oft Unklarheit.
Aus organisatorischer Sicht führt ein Mangel an Struktur bei Karrierewegen und Transparenz für Mitarbeitende zu Problemen. Den Mitarbeitenden wiederum fehlt ein durchdachter Plan zur Kompetenzentwicklung. Meiner Erfahrung nach ist Projektmanagement der am meisten vernachlässigte Aspekt der Kompetenzentwicklung. Dies mag zum Teil an der Wahrnehmung dieser Disziplin liegen und zum Teil daran, wie ein Unternehmen Karrierewege und die damit verbundenen Kompetenzen gestaltet.
Typischerweise gibt es in einem Unternehmen zwei unterschiedliche Karrierewege: den des Facharbeiters und den des Managements. Der Facharbeiterweg konzentriert sich auf Spezialisierung und den Aufbau von Expertise, während der Managementweg Strategieentwicklung, Personal- und Prozessmanagement, Kunden- und Stakeholder-Betreuung und vieles mehr umfasst – je nach Art des Unternehmens. Auffällig ist, dass beide Karrierewege einen starken Bezug zum Projektmanagement aufweisen, auch wenn dies nicht explizit hervorgehoben wird.
In diesem Blog werde ich die verschiedenen Facetten des Projektmanagements und ihre Rolle für die berufliche Weiterentwicklung beleuchten.
Planung
Als Berufsanfänger in einer Position als Einzelbeitragender erhalten Sie in der Regel konkrete Aufgaben mit festgelegten Fristen und das nötige Prozesswissen für deren Ausführung. Pünktliche Lieferung in der gewünschten Qualität ist dabei das A und O. Um die nächste Stufe zu erreichen, müssen Sie unter anderem Projektpläne, Ressourcenplanung, Budgetierung und Aufgabenplanung beherrschen. Planung ist eine der grundlegendsten Kompetenzen in verschiedenen Bereichen des Unternehmens und nahezu Voraussetzung für den beruflichen Aufstieg. Projektmanagement wird oft als projektspezifisch wahrgenommen, und Mitarbeiter unterschätzen häufig seine Bedeutung im eigenen Arbeitsbereich. Manche Menschen haben zwar ein natürliches Talent für Planung, doch im Hinblick auf die Karriereentwicklung sollten Unternehmen dies nicht dem Zufall überlassen.
Personalmanagement
Es herrscht die weitverbreitete Annahme, gute Führungskräfte seien mit zwischenmenschlichen Fähigkeiten geboren – entweder man hat sie oder nicht. Zahlreiche Studien deuten jedoch auf etwas anderes hin. Tatsächlich sind einige der größten Führungskräfte der Branche von Natur aus introvertiert. Zudem bedeutet Personalmanagement nicht immer nur, Mitarbeiter zu führen. Es umfasst auch die Fähigkeit, effektiv mit Kollegen, Vorgesetzten, Kunden, Lieferanten usw. zusammenzuarbeiten. Ob man also eine Karriere als Fachkraft oder als Führungskraft anstrebt – der Aspekt des Personalmanagements ist unverzichtbar. Projektmanagement ist eine Disziplin, die dem Personalmanagement durch gezielte Mitarbeiterinteraktionen, Leistungsmessung, Produktivitäts- und Effektivitätsrahmen sowie Kompetenzentwicklung viel Struktur und Strenge verleiht.
Risikomanagement
Karriereentwicklung bedeutet vereinfacht gesagt mehr Verantwortung und Ergebnisverantwortung. Je höher die Position, desto höher der Einsatz und die Ergebnisverantwortung. Wer Ergebnisse kontrollieren muss, muss potenzielle Risiken erkennen, um diese zu beheben und den Erfolg nicht zu gefährden. Laut PMI wenden 83 Prozent der leistungsstarken Projektmanagement-Organisationen regelmäßig Risikomanagement an, während dies nur 49 Prozent der leistungsschwachen Organisationen tun. PMI bietet sogar eine begehrte Risikomanagement-Zertifizierung an.
Stakeholder-Management und Kommunikation
Mit zunehmender Verantwortung in der Unternehmenshierarchie wird von Ihnen irgendwann erwartet, dass Sie Kunden und Stakeholder betreuen. Angesichts der steigenden Verbreitung von Outsourcing ist Stakeholder-Management zu einem entscheidenden Faktor für die Kundenbindung geworden. Projektmanagement-Organisationen verfügen über eine durchdachte Hierarchie und Methodik für Stakeholder-Management und -Kommunikation, beispielsweise hinsichtlich Häufigkeit und Format von Statusmeetings, vierteljährlichen Geschäftsberichten und regelmäßigem Kennzahlenreporting. Mitarbeiter können in puncto Stakeholder-Management und -Kommunikation viel von der Projektmanagement-Disziplin lernen.
Datengestützte Entscheidungsfindung
„Wir vertrauen auf Gott. Alle anderen liefern Daten.“ – W. Edwards Deming. Im heutigen wettbewerbsintensiven Geschäftsumfeld sind Daten der Schlüssel zum Erfolg. Projektmanagement war schon immer datenorientiert; wichtige Unternehmenskennzahlen wie Produktivität, Qualität und Termintreue haben ihren Ursprung in der Projektmanagementpraxis. Um in der heutigen Geschäftswelt erfolgreich zu sein, muss man vom ersten Arbeitstag an Datenkompetenz entwickeln. Die Fähigkeit, Muster in den Daten zu erkennen und auf Basis dieser Erkenntnisse Geschäftsentscheidungen zu treffen, ist die wichtigste Kompetenz für den beruflichen Aufstieg.
Wir leben im Zeitalter der digitalen Transformation. Es ist an der Zeit, Projektmanagement neu zu betrachten – als eine Disziplin, die uns hilft, wichtige Aspekte unserer beruflichen Weiterentwicklung zu fördern. Unternehmen sollten daher Zeit, Mühe und Geld in Schulungen und die Implementierung von Projektmanagement-Methoden investieren.




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